Jüdi­sches Lehrhaus

Die Betreuungsstelle für politisch, rassisch und religiös Verfolgte

Vor­trag

Mitt­woch, 1. Sep­tem­ber, 19 Uhr
Ort: Rat­haus Wiesbaden,
Stadt­ver­ord­ne­ten­sit­zungs­saal, Schloss­platz 6

Kos­ten­frei | Anmel­dung erfor­der­lich mit Angabe
des Vor- und Nach­na­mens, Adres­se und Telefonnummer

(Bild: Die Betreu­ungs­stel­le bestand unter die­sem Namen von 1945–1949; © Stadt­ar­chiv Wies­ba­den, Pla­kat­be­stand, Nr. 3277)

Nach der Beset­zung Wies­ba­dens durch die Ame­ri­ka­ner beauf­trag­te der ame­ri­ka­ni­sche Cap­tain Alpert am 30. März 1945 den Wies­ba­de­ner Rudolf Jesing­haus mit der Betreu­ung von Über­le­ben­den der Sho­ah und der Lei­tung einer Betreu­ungs­stel­le für „Rück­keh­ren­de und ehe­ma­li­ge Insas­sen von KZ ohne Unter­schied ihrer ras­si­schen oder poli­ti­schen Ver­hält­nis­se, jüdi­sche oder jüdisch-ver­­­wan­d­­te Per­so­nen aller poli­ti­schen Rich­tun­gen, Katho­li­ken, Pro­tes­tan­ten (…) sowie sons­ti­ge Per­so­nen, die aus ras­si­schen reli­giö­sen oder poli­ti­schen Grün­den ver­folgt oder unter­drückt wurden“.

Jesing­haus nahm sei­ne Auf­ga­be sehr ernst und setz­te sich vehe­ment für die ihm anver­trau­te Per­so­nen­grup­pe ein. Zu sei­nen Auf­ga­ben zähl­te es, Wohn­raum zu requi­rie­ren, durch­zie­hen­de ehe­ma­li­ge KZ-Häf­t­­lin­­ge zu ver­sor­gen und noch nicht zurück­ge­kehr­te KZ-Insas­­sen aus­fin­dig zu machen bzw. mehr über ihr Schick­sal in Erfah­rung zu brin­gen. Auf sei­ne Initia­ti­ve geht ein Auf­ruf „An die Kon­­zen­­tra­­ti­on­s­la­­ger-Rück­­keh­­rer und poli­tisch Ver­folg­ten“ zurück, auch ein „Hilfs­werk für die von der NSDAP Ver­folg­ten“ wur­de von ihm angeregt.

Das Ver­hält­nis zur Stadt­ver­wal­tung bzw. den Ame­ri­ka­nern gestal­te­te sich jedoch zuneh­mend schwie­rig, da Jesing­haus nach Ansicht der Behör­den zu eigen­mäch­ti­gem Han­deln neigte.

Ende 1945 erhielt die Betreu­ungs­stel­le eine neue Struk­tur und mit Heinz Ran­ly auch einen neu­en Lei­ter. Im Okto­ber 1949 wur­de sie durch Anord­nung des Innen­mi­nis­ters umbe­nannt in „Anmel­­de- und Vor­prüf­stel­le zur Durch­füh­rung des Ent­schä­di­gungs­ge­set­zes“. Ihre Akten sind verschollen.

Refe­ren­tin: Dr. Bri­git­te Streich war bis 2019 Lei­te­rin des Stadt­ar­chivs Wiesbaden 

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