Jüdisches Lehrhaus

Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Jüdischen Lehrhauses,

seine mitmenschliche Umgebung wahrzunehmen, ist in erheblichem Maße von subjektiven Prozessen bestimmt. Bei Rückschlüssen auf eine Persönlichkeit oder auf eine Gruppe von Personen sind selektive Betonungen einerseits und Auslassungen andererseits typisch.

In solchen Beurteilungsprozessen der eigenen Umwelt setzt der Beurteilende eine „Ökonomisierung“ des Gedankens ein, um auf „bequemem“ und vereinfachtem Weg sein Urteil bilden zu können.

Den Effekten solcher voreiligen Rückschlüsse (Vorurteile, Stereotypen u. ä.) kann man durch Vorwarnungen, aber vor allem durch Lernen entgegenwirken.

Im Rahmen der von zahlreichen Wiesbadener Institutionen getragenen Veranstaltungsreihe „27. Januar – Erinnern an die Opfer“ wird das Theaterstück remembeRING aufgeführt.

Lustig wird es sicherlich beim Vortrag von Rabbiner Soussan, der uns den jüdischen Humor über einen theologischen Ansatz hinaus näherbringen wird. Nicht verpassen!

Zur bewegten Erfolgsgeschichte der 1917 gegründeten Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland wird ihr Direktor, Aron Schuster, referieren.

Wie aktuell ist Hans Jonas’ Bioethik? Mit Hartmut Boger vom Vorstand der Volkshochschule Wiesbaden werden wir dieser Frage nachgehen.

Wichtige Beiträge zur lokalen Erinnerungskultur sind die beiden Veranstaltungen mit Dorothee Lottmann-Kaeseler.

Oliver Glatz, Islamwissenschaftler und Judaist, darf als Referent auch dieses Halbjahr nicht fehlen. Dieses Mal widmen wir uns im Rahmen unseres Tagesseminars den arabischen Reaktionen auf die Shoah.

Besonders freuen wir uns in diesem Semester über die Kooperation mit dem Stadtarchiv, mit dem wir eine Ausstellung anlässlich des 270jährigen Bestehens des ältesten Wiesbadener jüdischen Friedhofs „Schöne Aussicht“ gestalten. Ein entsprechendes Rahmenprogramm ist in Vorbereitung.

Die Koch‑, Tanz- und Hebräischkurse erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit und finden weiter in gewohnter Qualität statt. Neu ist dieses Halbjahr der Kurs „Biblisches Hebräisch“.

Mit Karoline Röhr haben Sie die Möglichkeit, mehr über Moshé Feldenkrais und seine einzigartige Methode zu erfahren.

Mit unserem Lehrangebot in diesem nunmehr 14. Semester versprechen wir zwar kein umfassendes Heilmittel für alle Probleme dieser Erde, jedoch die Erweiterung des vorhandenen Wissenshorizonts – dies mit Blick auf und aus der Sicht der Kultur und Historie jüdischer Nachbarn.

Dr. Jacob Gut­mark
Dez­er­nent für Kul­tur der Jüdis­chen Gemeinde Wiesbaden

Steve Lan­dau
Leiter des Jüdis­chen Lehrhauses

Kontaktdaten

Jüdische Gemeinde Wiesbaden

Friedrichstraße 31–33

65185 Wiesbaden

Telefon: 0611–93 33 030

Fax: 0611–93 33 03 19

E‑Mail schreiben

Anmeldung

Persönlich im Büro der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden,

Dienstag und Donnerstag 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr

oder schriftlich, per Fax, per E‑Mail.

Einige Veranstaltungen sind für Schüler*innen und Studierende kostenfrei bzw. ermäßigt.

Bankverbindung

Jüdische Gemeinde Wiesbaden

IBAN: DE18 510500150277005658

Nassauische Sparkasse

Mit Förderung durch das Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Kulturamt Wiesbaden

Geschichte (Kurzfassung)

Franz Rosenzweig (geb. 1886, in Kassel — gest. 1929 in Frankfurt am Main) eröffnete 1920 in Frankfurt das „Freie Jüdische Lehrhaus“. Auf der Agenda der unter der Beteiligung Martin Bubers, wie auch später z. B. Erich Fromms, gegründeten Stätte der Erwachsenenbildung, stand der Grundsatz:

Das Lehrhaus soll uns lehren, warum und wozu wir sind“.

Traditionelles jüdisches Wissen und handlungsorientierte Wissensvermittlung sollte auch in die nichtjüdische Umgebung hinaus getragen werden.

Soll weder eine Mission noch die Aufgabe der eigenen Identität bedeuten, sondern eine Ich-Du-Beziehung, wie Buber sie bezeichnete, also eine dauerhafte Partnerschaft auf Augenhöhe.

Ein gemeinsames „lebensbegleitendes Lernen“ mit Wechselwirkung, bei dem Tradition und das Moderne aufeinander treffen, sollten einander befruchten.

Das pädagogische Modell von Rosenzweig wurde bis zur Schließung durch das nationalsozialistische Unrechtsregime im Jahr 1938 von dem Religionsphilosophen Martin Buber, dem Psychologen Erich Fromm, dem Pädagogen Ernst Simon und dem Arzt Richard Koch weiter betrieben.

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