Jüdi­sches Lehrhaus

Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Jüdischen Lehrhauses,

die effek­ti­ve Bewäl­ti­gung ver­schie­de­ner sozia­ler Situa­tio­nen setzt für den all­ge­mei­nen Erwerb von Wis­sen die Rea­li­sie­rung bestimm­ter Ver­hal­tens­fer­tig­kei­ten voraus.

Mit dem Bestre­ben eines sozi­al­kom­pe­ten­ten Ver­hal­tens durch den Erwerb von Wis­sen über das Juden­tum leh­nen wir uns bis­wei­len an Abra­ham Joshua Heschel (1907–1972, jüdi­scher Schrift­ge­lehr­ter und Reli­gi­ons­phi­lo­soph) an, der defi­niert, dass „Wis­sen [..] – wie der Him­mel – nie­mals Pri­vat­ei­gen­tum [ist]. Kein Leh­rer hat das Recht, es jeman­dem vor­zu­ent­hal­ten, der dar­um bit­tet. Leh­ren ist die Kunst des Tei­lens.“ (Heschel, Abra­ham Joshua (1973): A Pas­si­on for Truth, Mac­mil­lan, S. 169)

Die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer, die unse­re inter­ak­ti­ven Kur­se, Work­shops und Vor­trä­ge besu­chen, erwer­ben Kennt­nis­se, die ihnen die Sicher­heit und die Kom­pe­tenz im Ver­ste­hen von Jüdi­schem Leben und für das Juden­tum deut­lich ver­lei­hen. Dabei kön­nen mit Heschel fol­gen­de Eigen­schaf­ten sicht­bar wer­den: „Selbst­ge­nüg­sam­keit, Unab­hän­gig­keit, die Fähig­keit, sich von ande­ren abzu­he­ben, sich zu unter­schei­den, Wider­stand zu leis­ten und sich allem zu wider­set­zen“. Das sind „Arten des Mensch­seins.“ (Hen­schel, Abra­ham Joshua (1965): Who is Man? Stan­ford Uni­ver­si­ty Press, S .44)

Wich­ti­ge Bei­trä­ge zur loka­len Erin­ne­rungs­kul­tur stel­len die Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem 80. Jah­res­tag der Depor­ta­tio­nen dar.
Anläss­lich des 150. Geburts­tags von Mar­ga­re­te Sus­man wird Hart­mut Boger vom Vor­stand der Volks­hoch­schu­le Wies­ba­den über die­se wun­der­ba­re Frau referieren.
Nach 90 Jah­ren ist die Über­schrift des Brief­wech­sels zwi­schen Freud und Ein­stein lei­der immer noch aktu­ell. Wir erfah­ren mehr dar­über mit dem aus­ge­wie­se­nen Freud-Ken­­ner Dr. Ber­nard Görlich.
Den ein­tä­gi­gen Kurs zum The­ma „Juden unter dem Halb­mond“ wid­men wir die­ses Mal den Juden im osma­ni­schen Paläs­ti­na / Eretz Isra­el mit dem Juda­is­ten und Islam­wis­sen­schaft­ler Oli­ver Glatz.
Die Rol­le der Frau im (ortho­do­xen) Juden­tum wird uns Ana­sta­sia Quen­sel näher­brin­gen. Auch das „Jahr des Was­sers“ wird im Rah­men unse­res Pro­gramms berücksichtigt.
Von Rab­bi­ner Shlo­mo Ras­kin wer­den wir unter ande­rem mehr über die Rol­le des Was­sers im Juden­tum erfahren.

Wir freu­en uns, Sie im nun 19. Semes­ter seit Neu­grün­dung des Jüdi­schen Lehr­hau­ses in Wies­ba­den im Rah­men unse­rer Ver­an­stal­tun­gen zu begrüßen.

Dr. Jacob Gutmark
Dez­er­nent für Kul­tur der Jüdis­chen Gemein­de Wiesbaden

Ste­ve Landau 
Lei­ter des Jüdis­chen Lehrhauses

Alle Ver­an­stal­tun­gen fin­den unter dem Vor­be­halt des wei­te­ren Ver­laufs der COVID-19-Pan­­de­­mie statt. Eine kurz­fris­ti­ge Absa­ge bzw. digi­ta­le Umset­zung ist jeder­zeit möglich.

Des Wei­te­ren wei­sen wir dar­auf hin, dass die aktu­el­len Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men zum Schutz gegen die Aus­brei­tung von COVID-19 ein­ge­hal­ten werden.

Die aktu­el­len Hygie­ne­be­stim­mun­gen fin­den Sie auf unse­rer Website.

Zur Teil­nah­me an den Online-Ver­­an­stal­­tun­­­gen benö­ti­gen Sie ein Smart­pho­ne oder Tablet mit instal­lier­ter „ZOOM Cloud Meetings“-App. Die App ist sowohl im App-Store für iOS als auch bei Goog­le Play für Android erhält­lich. Eine Teil­nah­me am PC ist natür­lich eben­falls mög­lich. Geben Sie hier­für in Ihrem Brow­ser www.zoom.us/join ein und fol­gen Sie der Anleitung.

Nach Ihrer Anmel­dung erhal­ten Sie recht­zei­tig vor Ver­an­stal­tungs­be­ginn die Bespre­chungs-ID und das Pass­wort. Soll­ten Sie Fra­gen zur Tech­nik haben oder Unter­stüt­zung benö­ti­gen, hel­fen wir Ihnen gerne.

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Geschichte des Jüdischen Lehrhauses (Kurzfassung)

Franz Rosen­zweig (geb. 1886 in Kas­sel – gest. 1929 in Frank­furt am Main) eröff­ne­te 1920 in Frank­furt das „Freie Jüdi­sche Lehr­haus“. Auf der Agen­da der unter der Betei­li­gung Mar­tin Bubers, wie auch spä­ter z. B. Erich Fromms, gegrün­de­ten Stät­te der Erwach­se­nen­bil­dung stand der Grund­satz: „Das Lehr­haus soll uns leh­ren, war­um und wozu wir sind“.

Tra­di­tio­nel­les jüdi­sches Wis­sen und hand­lungs­ori­en­tier­te Wis­sens­ver­mitt­lung soll­ten auch in die nicht­jü­di­sche Umge­bung hin­aus getra­gen werden.

Die­se Begeg­nung mit der Mehr­heits­ge­sell­schaft soll weder eine Mis­si­on noch die Auf­ga­be der eige­nen Iden­ti­tät bedeu­ten, son­dern eine Ich-Du-Bezie­hung, wie Buber sie bezeich­ne­te, also eine dau­er­haf­te Part­ner­schaft auf Augen­hö­he herstellen.

Ein gemein­sa­mes „lebens­be­glei­ten­des Ler­nen“ mit Wech­sel­wir­kung, bei dem Tra­di­ti­on und das Moder­ne auf­ein­an­der tref­fen, soll­ten ein­an­der befruchten.

Das päd­ago­gi­sche Modell von Rosen­zweig wur­de bis zur Schlie­ßung durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten im Jahr 1938 von dem Reli­gi­ons­phi­lo­so­phen Mar­tin Buber, dem Psy­cho­lo­gen Erich Fromm, dem Päd­ago­gen Ernst Simon und dem Arzt Richard Koch wei­ter betrieben.