Jüdisches Lehrhaus

Und diese Gerüchte stammen nicht von irgendwelchen Nazis“

Dienstag, 4. September, 19 Uhr

Ort: Rathaus Wiesbaden, Schloßplatz, Raum 22

Die Teilnahme ist kostenfrei

Ideologische Hintergründe antisemitischer Agitation in den
sozialen Netzwerken

Nach Wahrnehmung der jüdischen Gemeinschaft hat Antisemitismus in Deutschland auch zunehmend einen muslimischen Hintergrund (wie etwa eine durch den Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus des Deutschen Bundestages in Auftrag gegebene Befragung im vergangenen Jahr deutlich machte). Und auch in der breiteren Öffentlichkeit wird das Problem inzwischen zumindest diskutiert. In aller Regel wird es dabei in Bezug gesetzt zum traditionellen Antisemitismus der Rechtsextremisten, womit meist auch eine (mehr oder weniger explizite) Bewertung einhergeht, welche Art des Antisemitismus denn nun die relevantere sei. Dabei dürften die Unterschiede in der Bewertung mehr mit der Weltsicht bzw. dem politischen Standort der jeweiligen Kommentatoren zu tun haben denn mit einer konkreten Faktenbasis. Denn für einen direkten Vergleich der beiden Phänomene fand sich bislang kaum hinreichendes Datenmaterial.

Vor diesem Hintergrund wurden durch die Phänomenbereichsübergreifende wissenschaftliche Analysestelle Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit (PAAF) beim hessischen Landesamt für Verfassungsschutz antisemitische Kommentare auf den Facebook‐ und Youtube‐Präsenzen großer deutscher Medienorgane ausgewertet, insbesondere im Hinblick auf den politischen bzw. religiösen Hintergrund der jeweiligen Nutzer. Wie viel Prozent der antisemitischen Kommentare zu einem bestimmten Beitrag haben einen rechten Hintergrund, wie viel Prozent einen muslimischen? Unterscheidet sich das Verhältnis je nach Thema bzw. je nach politisch‐weltanschaulicher Positionierung des Beitrags? Welche Zusammenhänge lassen sich hier erkennen? Inwiefern haben sich hier in den letzten Jahren Veränderungen und Verschiebungen vollzogen?
Neben dieser quantitativen Bestimmung wurden die antisemitischen Äußerungen außerdem qualitativ charakterisiert und analysiert. Inwiefern unterscheidet sich der muslimische Antisemitismus von demjenigen der Rechten? Auf welche Begründungsmuster stützen sie sich jeweils? Welche antisemitischen Stereotype werden aufgegriffen? Welche Rolle spielt der Antizionismus bzw. antisemitisch gefärbte Kritik am Staat Israel? Sind im Hinblick auf all diese Fragen Veränderungen im Zeitverlauf erkennbar?

Die Ergebnisse der Studie sollen den Teilnehmern anschaulich dargestellt werden. Dr. Ann‐Christin Wegener ist Politik‐ und Theaterwissenschaftlerin und leitet die Phänomenbereichsübergreifende wissenschaftliche Analysestelle Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit (PAAF) beim Landesamt für Verfassungsschutz Hessen.
Referentin: Dr. Ann‐Christin Wegener ist Politik‐ und Theaterwissenschaftlerin und leitet die Phänomenbereichsübergreifende wissenschaftliche Analysestelle Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit (PAAF) beim Landesamt für Verfassungsschutz Hessen.

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