Jüdisches Lehrhaus

Städtebauliche Entwicklung der „Schönen Aussicht“ – 270 Jahre jüdischer Friedhof

Vor 270 Jahren erreichte Eli Levi, Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde in Wiesbaden, dass die Mitglieder seiner Gemeinde ihre Verstorbenen nicht mehr auf dem Alten Friedhof im entfernten Wehen beisetzen müssen.

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 25. Juni, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: bis 12. August

Ort: Stadtarchiv, Im Rad 42

Eintritt frei

Spielmann-Atlas | Ausdehnung der Stadt Wiesbaden im Jahr 1799

Vor 270 Jahren erreichte Eli Levi, Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde in Wiesbaden, dass die Mitglieder seiner Gemeinde ihre Verstorbenen nicht mehr auf dem Alten Friedhof im entfernten Wehen beisetzen müssen. Die Jüdische Gemeinde erhielt 1747 ein Stück Land „Auf dem Kuhberg“ – heute „Schöne Aussicht“ – als Begräbnisstätte. 1779 erfolgte die erste Erweiterung, 1850 die zweite.

Ende des 18. Jahrhunderts und vor allem im 19. Jahrhundert wuchs das Wiesbadener Stadtgebiet schnell und es entstanden die Friedrichstraße, die Luisenstraße, die Rheinstraße bis hin zum heutigen Hauptbahnhof. Die Stadt dehnte sich ebenfalls, wenn auch deutlich langsamer, in Richtung Neroberg/Nerotal aus. Bisher hatte man den Bereich um die „Schöne Aussicht“ lediglich als Gerichtsstätte genutzt. 1816 wurde der letzte Galgen abgebrochen. Das Grundstück „Auf dem Kuhberg“ hatte man der Jüdischen Gemeinde ohne Bedenken abgetreten, lag es doch noch weit außerhalb der Stadt. Im 19. Jahrhundert war die „Schöne Aussicht“ vor allem bei wohlhabenden Wiesbadenern zum beliebten Baugebiet avanciert. Große Grundstücke ermöglichten freistehende, großzügig angelegte Villen und Gärten mit Blick auf das Stadtzentrum.

Die Schließung des Friedhofs im Jahre 1890 betraf nicht nur die Jüdische Gemeinde Wiesbaden, sondern auch die Gemeinden in Bierstadt, Erbenheim und Kloppenheim sowie Biebrich und Schierstein, die hier ebenfalls beigesetzt hatten.

Die Ausstellung mit dem Titel „Städtebauliche Entwicklung der ‚Schönen Aussicht‘ – 270 Jahre Jüdischer Friedhof“ gibt Einblicke in jüdische Begräbniskultur in Wiesbaden und zeigt gleichzeitig, wie sich die „Schöne Aussicht“ zu einer beliebten Wohngegend entwickelte, in der der Friedhof keinen Platz mehr hatte. An der „Schönen Aussicht“ entstanden im 19. und 20. Jahrhundert aufwändige und einzigartige Gebäude wie das Paulinenschlösschen und das von Marcel Breuer ganz im Stil des Neuen Bauens konzipierte Haus Harnischmacher I.

Kooperierende: Stadtarchiv und Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen

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